Sommerlicher Wärmeschutz

Besser wissen!

Cool bleiben: sommerlicher Wärmeschutz

Die nachweislich zunehmenden Hitzeperioden der letzten Jahre (1) sind eine Herausforderung auch fürs Gebäudeinnere.
Zu Spitzenzeiten ist die Hitze des Tages nicht mehr nur durch nächtliches Lüften zu entfernen.

Besser als nachträglich Kühlen:
Die Hitze bleibt gleich draußen.

Noch wenden nicht alle Architekten dieses Prinzip an. Die aktuell trendenden schwarzen Fassaden etwa sind zwar optisch beeindruckend, bieten dahinter aber nur Wohnkomfort, wenn der zusätzliche Wärmeeintrag in der Planung berücksichtigt wird.
Man kann zwar – auch im Rahmen einer Nachrüstung – Klimaanlagen oder sogar innovative technische Konzepte einsetzen wie eine Betonkernaktivierung, eine Flächenkühlung, eine Klimadecke, die alle quasi umgekehrt zu einer Heizung funktionieren, indem sie Wärme entziehen.
Doch diese Lösungen sind nicht nachhaltig: Sie fressen unnötig selbst regenerativ erzeugte Energie und bescheren unter Umständen durch problematische Kühlmittel zusätzliche Umweltbelastungen. Außerdem können aufwendige, integrierte Systeme bei der künftigen technischen Ertüchtigung oder beim Rückbau eines Gebäudes für Schwierigkeiten sorgen.
Leider koppelt auch das aktuelle GEG – Gebäudeenergiegesetz Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz an die Wirtschaftlichkeit – und bietet damit ein planerisches „Schlupfloch“ bzw. wenig Motivation, diese wichtige Stellschraube von Vornherein zu berücksichtigen.

Durchdachter Wärmeschutz geht so:
„Erst die Hülle, dann die Technik“.

Wie strategischer äußerer Wärmeschutz im Bereich der Fensterplanung wirken kann, zeigt eine Simulation im Rahmen einer Studie der Holzforschung Austria und der TU Graz (2).

Zusammengefasst empfiehlt die Studie diese Maßnahmen:

  • außenliegende Verschattung (z.B. Rollläden oder Sonnensegel, die per Solarpanel gesteuert werden) unter Berücksichtigung der zu erwartenden Windlast
  • Verschattung auch im Norden
  • Fenster mit einem Dämmwert von max. Ug 1 W/m2K  und g-Wert von mind. 0,5
  • mind. 50% der Fenster sollten zum Lüften zu öffnen sein
  • Lüften tagsüber je nach Außentemperatur
  • Nachtlüftung (zumindest abendliche Stoßlüftung)
  • Verschattung auch unter den Auskragungen eines Gebäudes
  • nur dann große Fenster einplanen, wenn sie ausreichend verschattet werden können

Dazu kommt das Verhalten der Bewohner:

  • temperaturangepasstes Lüften
  • Sensibilität bei der Nutzung von elektrischen Geräten und Wärmequellen (z.B. Kaffeemaschinen, PCs, Herd etc.)
  • Ermöglichen von Luftbewegungen / Ventilation für gefühlt mehr Komfort

Klimaanpassung und sommerlicher Wärmeschutz sind inzwischen auch ein Thema bei der Planung ganzer Stadtquartiere.
Urbane Hitzeinseln werden dort zum Beispiel vermindert durch:

  • verschattete Zuwegungen
  • begrünte Fassaden
  • extensive Gründächer
  • gestaffelte Bebauung (unterschiedliche Dachhöhen, vor- und rückversetzte Gebäude)
  • entsiegelte Flächen, die eine kühlende Verdunstung ermöglichen und Starkregen aufnehmen können.

Quellen:
(1) UBA/DWD: Gesundheitsrisiken durch Hitze, 04.01.2024.

https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-gesundheit/gesundheitsrisiken-durch-hitze#indikatoren-der-lufttemperatur-heisse-tage-und-tropennachte
(2) Holzforschung Austria/TU Graz: Coole Fenster – Fenster mit Beschattung im Spannungsfeld sommerliche Überwärmung, Tageslicht, winterlicher Wärmeschutz in der Klimakrise. November 2022. In: BMK Österreich: Berichte aus Energie und Umweltforschung, 68/2023.
https://www.holzforschung.at/forschung-entwicklung/projektliste/details/coole-fenste