Besser wissen!
Lüftung: Kontrolle oder Zwang?
Ein Gebäude nach heutigem energetischen Standard sollte luftdicht und gedämmt ausgeführt sein. Damit vermeiden wir Wärmeverluste und sommerliche Überhitzung.
Gleichzeitig müssen wir aktiv für Luftaustausch und Abtransport von Feuchte aus den Innenräumen sorgen.
Was früher in naturgemäß undichten Gebäuden “irgendwie von allein” passierte, findet jetzt kontrolliert statt.
Für Neubauten und größere Sanierungsvorhaben sind darum mindestens Lüftungskonzepte Pflicht.
Lüftungssysteme können
- für den permanenten Luftaustausch sorgen
- für den Abtransport von Feuchte, aber auch von Schadstoffen und Gerüchen sorgen
- per Wärmetauscher oder -pumpe der abgeführten Luft Wärme entziehen und die Frischluft damit vorwärmen
Es gibt unterschiedliche technische Lösungen:
- zentrale Lüftungsanlage: Über ein Rohrsystem sind alle Räume mit der zentralen Lüftungsanlage verbunden. In einigen Räumen (Bad, Küche) wird laufend Luft abgesaugt, in anderen Räumen strömt Frischluft ein. Häufig haben die Innentüren Überströmöffnungen, so dass die Luft das Haus durchströmen kann. Ein Filtersystem fängt Staub oder auch Pollen auf. Es sind je nach Nutzergewohnheiten unterschiedliche Stufen einstellbar. Die Frischluft kann z.B. über eine Rohrsystem unter dem Fundament angesaugt werden und vorgewärmt einströmen. Die abgesaugte Luft kann an einem Wärmetauscher die Frischluft ebenfalls vorwärmen.
- dezentrale Lüftung: Hier bekommt jeder Raum eine eigene Lüftung mit einer eigenen Anlage, häufig mit einer Belüftung zur Außenwand. Nicht zentral für alle Räume steuerbar, aber relativ gut nachrüstbar. Gehört auf jeden Fall als Dauerlüftung in jedes Bad im Neubau oder im gut sanierten Altbau, falls es sonst keine Lüftung gibt.
- Fensterlüftung: Sie gehört ebenfalls zu den dezentralen Lüftungslösungen. Die Lüftung ist technisch bereits in den Fensterrahmen integriert und kann ggf. in der Stärke eingestellt werden. Eine einfache Lösung, von der wir eher abraten, weil sie nur ganz bedingt regelbar und nicht auf die Raumgröße abstimmbar ist.
3 Argumente gegen Vorurteile
“Ich will aber meine Fenster öffnen dürfen”
Seien Sie beruhigt:
Ja, Sie dürfen jederzeit Ihre Fenster öffnen.
Aber: Sie müssen es nicht.
In Häusern ohne Lüftung sind Sie zum Fensteröffnen gezwungen, auch im Winter. Sonst gibt es dicke Luft und Schimmel.
Ein Lüftungssystem sorgt automatisch für dauernden Luftaustausch und Feuchteabtransport. Fensteröffnen ist nicht mehr nötig, aber okay.
“Eine dauernde Lüftung ist laut, braucht Strom und es zieht bestimmt”
Nein, eine gut geplante Lüftungsanlage werden Sie im Alltag weder hören noch spüren – außer Sie halten die Hand direkt vor den Lüftungsauslass (machen wir privat bei Übernachtungsgästen, die skeptisch sind, ob sie genug Frischluft bekommen). Der Stromverbrauch ist je nach Ausführung und gewünschter Luftwechselrate sehr gering. Sie können die zentralen Lüftungen je nach Nutzung regeln: etwa Grundbetrieb, Party mit vielen Anwesenden, Abwesenheit.
“So ein Rohrsystem ist doch unhygienisch”
In einer zentralen Lüftungsanlage befinden sich verschiedene, leicht selbst austauschbare Filtersysteme. Sie reinigen die Luft vor von Staub, Pollen, Fettdunst etc., die sonst in der Raumluft verblieben.
In das Rohrsystem kann also kein Schmutz gelangen.
Wir habe in unserem Privathaus nach 10 Betriebsjahren mehrere Abklatschproben an den Auslässen und Ansaugungen z.B. von Küche und Bädern genommen und von einem Prüfinstitut untersuchen lassen: Es waren keine Keimbelastungen feststellbar.
Quellen:
Energie-Experten: Ratgeber kontrollierte Wohnraumlüftung
Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/energetische-sanierung/lueftungsanlage-und-konzept-was-sie-fuer-die-planung-wissen-muessen-5411
