Besser wissen!
Können Wände atmen?
Dieses Argument wird oft vorgebracht, wenn es um die Ablehnung von Dämm-Maßnahmen geht:
Angeblich könnten Wände atmen.
Diese Eigenschaft würden sie verlieren, wenn man sie in Dämmung einpackt.
Irrtum:
Wände atmen nicht!
Es hört sich zwar ganz sinnig an, dass Wände, Hohlziegel und andere poröse Baumaterialien für einen ständigen Austausch von (verbrauchter) Innenluft und den Abtransport von zu viel Luftfeuchtigkeit sorgen könnten.
Dieser Irrtum fußt vor allem auf einer fehlerhaften Experiment-Anordnung des Hygienikers Max von Pettenkofer. Er hatte offenbar 1858 bei der Messung von Luftwechselraten nicht berücksichtigt, dass seine Räume belüftete Ofenheizungen hatten und auch sonst (z.B. Holzfußböden) sehr undicht waren.
Schon vor etwa 100 Jahren haben Wissenschaftler seine These der atmenden Wände widerlegt.
Sie hält sich dennoch.
Doch auch die DIN 4108 von 1969 beschreibt es:
“Ein Atmen der Wände im Sinne einer Lufterneuerung der Innenräume findet nicht statt. Dagegen ist aus hygienischen und bautechnischen Gründen auf der Innenseite der Wände eine gewisse Aufnahmefähigkeit für Wasserdampf erwünscht; üblicher Innenputz, auch saugfähige Pappen und dgl. erfüllen diesen Wunsch (Pufferschichten). (…)”
Zwar können einige Baumaterialien oder zum Beispiel Holzbalkendecken erstmal winddurchlässig sein. Darum ergreift man Maßnahmen, um Winddichtigkeit herzustellen:
- auf Mauerwerk wird nach innen windabdichtender Putz aufgebracht
- offene Holzdeckenkonstruktionen werden z.B. mittels Gipskartonplatten abgedichtet
Verputzte Wände sind nicht nur winddicht. Sie sollen und können an ihrer Innenseite außerdem etwas Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Doch diese Feuchte-Pufferung ist nur gering. Eine puffernde Wand ersetzt also kein regelmäßiges (Be-)Lüften.
Wichtig:
Wände sollen immer winddicht sein.
Und auch anderweitig soll kein unkontrollierter Luftaustausch stattfinden: nicht über undichte Fenster oder Türen, nicht über undichte Steckdosen, undichte Wand- und Deckenanschlüsse oder undichte Innenverkleidungen.
Denn wenn über diese Undichtigkeiten Luft ausgetauscht wird (vermehrt bei Windlast), zieht es unangenehm und die Wärme entweicht unkontrolliert nach draußen.
Wenn es aber windstill ist, bringen Ihnen diese Undichtigkeits-Baumängel trotzdem keinen ausreichenden Luftaustausch.
Allerdings: Nicht mal ein Neubau ist zu 100% luftdicht.
Der beste Luftaustausch ist kontrolliertes Lüften:
- so viel Luftaustausch und Feuchtetransport wie nötig,
- so wenig Wärmeverlust wie möglich
- und dies in einem winddichten und gut gedämmten Bauwerk.
Auf die Notwendigkeit der zusätzlichen Lüftung weisen übrigens sogar Anbieter sog. “atmender Wände” hin.
Geht nur zusammen: winddicht + gedämmt
Winddichte Wände allein schaffen noch kein behagliches, energieeffizientes Zuhause.
Nur im Zusammenspiel von Winddichtigkeit (verhindert Konvektionswärme-Verluste) und guter Dämmung (gut gegen Transmissionswärme-Verluste und durch die Erhöhung der Wandtemperaturen gegen Schimmel) holen Sie das Optimum aus Komfort und Einsparung.
Quellen:
Wikipedia: Atmende Wand
Passivhaus Institut – Passipedia/Punkt 7 “Entfeuchtung durch die Außenwand?”
Anbieter-Website mit Hinweis zum Lüften (keine ausdrückliche Anbieter-Empfehlung unsererseits): Atmende Wände® Markenpartnerschaft
